Modellprojekt Ackermannbogen
Bundesmittel für Entwicklung zum familien- und altengerechten Stadtquartier
„Solche Wohngebiete sollte es viel, viel mehr geben!“ Dieser Satz ist oft zu hören von Besuchern und Nachbarn und irgendwie haben wir uns daran gewöhnt, dass „der Ackermannbogen“ auch häufig in den Medien ist: Seit dem ersten Spatenstich vor fünf Jahren berichten Tageszeitungen, Radio und Fernsehen immer wieder über die verschiedenen Aspekte des Neubaugebiets, sei es über das Genossenschaftsprojekt wagnis, über die Stadtplatz-Planung oder über den umständlichen Schulweg. Auch die häufigen Führungen für z.T. internationale Gruppen, die das Wohngebiet unter architektonischen, sozialen oder ökologischen Kriterien begutachten, sind schon fast zur Normalität geworden.
Ackermannbogen als „städtebauliches Labor“
Warum also nicht das Besondere des Wohngebiets als nachzuahmendes Beispiel für andere Kommunen und Bauträger zugänglich machen? Eine Bewerbung der NachbarschaftsBörse und des wagnis e.V. beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) war erfolgreich: Als eines von bundesweit sieben Modellprojekten wurde das Wohngebiet am Ackermannbogen in das Forschungsprogramm 'Experimenteller Wohnungs- und Städtebau' (ExWoSt) und das dort aufgelegte Modellvorhaben 'Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere', Schwerpunkt 'Gemeinschaftseinrichtungen im Quartier' aufgenommen.
Ziel dieses auf drei Jahre angelegten Forschungsfeldes ist es, anhand ausgewählter Projekte zu zeigen, wie wohnungs- und städtebauliche Maßnahmen mit anderen Fachplanungen, insbesondere im sozialen Bereich, vernetzt werden müssen, um Wohnquartiere kinder- und familienfreundlich sowie altengerecht zu gestalten.
NachbarschaftsBörse als Ausgangspunkt
Ausgehend von der NachbarschaftsBörse als Bewohnertreff für das Quartier, werden z.B. folgende Forschungsfragen untersucht: Wie tragen Gemeinschaftseinrichtungen zur Stärkung nachbarschaftlicher Qualitäten bei, so dass eine generationenübergreifende „Quartiersidentität“ entsteht? Wie können bürgerschaftliche Kompetenzen und Engagement für Planung, Bau und Betrieb von Gemeinschaftseinrichtungen genutzt werden? Welche Anforderungen an den Standort und die bauliche Gestaltung sind verallgemeinerbar?
Ein Konzept - Drei Projekte
Da im Rahmen des Forschungsfeldes nicht nur Bestehendes untersucht, sondern innovative und übertragbare Ansätze weiterentwickelt werden sollen, erhalten die ausgewählten Projekte eine größere Summe zweckgebundener Fördermittel. Diese Summe soll am Ackermannbogen bis Ende 2009 in drei große Projekte investiert werden:
Die wagnis-Genossenschaft wird mit damit den Umbau eines Teils der beim wagnis-Projekt nicht genutzten und benötigten Tiefgaragenstellplätze in öffentlich nutzbare Gemeinschaftsräume, z.B. Musikübungsraum, Internet-Café und Werkstatt, finanzieren. Damit kommt einmal mehr der Genossenschaftsgedanke und das Selbstverständnis der wagnis eG zum Tragen, von deren Engagement das ganze Quartier bisher schon sehr profitiert.
Ein weiteres Drittel wird in die Umwandlung des Durchgangs im Haus Rigoletto in eine Spiel- und Kulturpassage investiert werden. Und schließlich soll - basierend auf vorhandenen Elementen wie mail-Rundbrief und Stadtteilzeitung – die nachbarschaftliche Kommunikation und Informationen über ein breit angelegtes, internet-gestütztes Bürgernetz ausgebaut und verbessert werden. Das Modellprojekt wird wissenschaftlich evaluiert und begleitet werden, die Ergebnisse – hoffentlich – Eingang in wohnungs- und sozialpolitische Vorgaben finden, damit es bald „viel, viel mehr solche Wohngebiete“ gibt!
Heidrun Eberle (Nachbarschaftsbörse) / Artikel für ExWoSt "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau", 2008
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