Engagement gegen Lebensmittelverschwendung
In Deutschland werden laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung jährlich etwa 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, was etwa 20 Prozent des gesamten Nahrungsmittelverbrauchs entspricht. Grund genug zwei Initiativen aus der wagnis-Welt vorzustellen, die daran arbeiten, dass dies sich ändert.
Selten hält das Food Sharing solche besonderen Herausforderungen bereit, wie letztens, als sich 400 kleine Avocados in den Kisten befanden. Aber auch für die hat Irmgard Voigt aus wagnis2 glückliche Abnehmer*innen gefunden.
Die Lebensmittelrettung in wagnis2 nahm ihren Anfang mit der Nothilfe für ukrainische Flüchtlinge, bei der Irmgard Voigt sehr aktiv war und ist. Damals organisierten sie und eine Freundin über einen winzigen Verein unregelmäßig fünf bis sechs Kisten anderswo ausrangierte Lebensmittel zur Versorgung mehrerer Flüchtlingsfamilien. Heute bringen ehrenamtliche Helfer*innen des Vereins FairTeilerchen e.V. ein bis zweimal im Monat aus dem Lager eines Lieferdienstes Kisten mit übrig gebliebenem Obst, Gemüse und Brot zu wagnis2. Was und wie viel geliefert wird, ist jedes Mal eine Überraschung. Manchmal ist Exotisches dabei, was dann erstmal gemeinsam probiert werden kann. Verdorbenes wird aussortiert, aus Angestoßenem in der Teeküche des Gemeinschaftsraums zuweilen rasch ein Obstkompott gemacht.
Helfer*innen aus dem Haus tragen die Kisten in den Gemeinschaftsraum und bauen dort alles für die Verteilung auf. Irmgard Voigt lädt Menschen aus dem Haus und der nahen Nachbarschaft persönlich zur Verteilung ein. Sie wohnt seit 18 Jahren am Ackermannbogen und weiß, wer Bedarf an Unterstützung hat. Nach wie vor dürfen die ukrainischen Flüchtlingsfamilien zuerst auswählen. Und Irmgard Voigt sortiert schon vor der Verteilung einige Lebensmittel aus, die die Kochgruppe des Vereins Älter werden am Ackermannbogen (ÄlwA) für den wöchentlichen sozialen Mittagstisch des Vereins im „Wohncafé“ nutzen kann. So wird das Budget des Cafés geschont.
„Mir macht das Ganze große Freude, auch wenn es zeitaufwendig ist“, sagt Irmgard Voigt. „Es ist so schade, wenn man sieht wie viele gute Lebensmittel eigentlich für den Müll bestimmt sind. Ich kaufe durch das Food Sharing nur wenig im Supermarkt oder auf dem Markt und esse gut. So komme ich auch mit meiner kleinen Rente deutlich besser zurecht. Und nicht zuletzt ist die Verteilung ein Treffpunkt und eine Gelegenheit zum Austausch.“
Gegen Lebensmittelverschwendung setzt sich auch der Verein Übrig e.V. in Freising ein, zu dem Mitglieder der Baugruppe wagnisFREISAM gehören. „Die Idee unseres Vereins ist, dass wir das Thema Food-Sharing, was ja viel im Privaten passiert, in die Gesellschaft tragen“, sagt Jens Aschenbroich, Baugruppen- und Vorstandsmitglied des Vereins Übrig e.V.
Dazu gibt es mitten in Freising ein Foodsharing-Café (General-von-Nagel-Str. 9), das kostenlose Gerichte aus geretteten Lebensmitteln anbietet, einen Fairteiler für gerettete oder übrig gebliebene Lebensmittel und Bildungsangebote rund um nachhaltige Ernährung. Für sein Engagement wurde der Verein kürzlich mit dem Bayerischen Klimaschutzpreis ausgezeichnet. Mit der Auszeichnung des bayerischen Umweltministeriums ist ein Preisgeld von 15.000 Euro für den Verein verbunden. Das Geld soll vor allem in die Öffentlichkeitsarbeit investiert werden, um das Bewusstsein für das Thema Lebensmittelverschwendung zu stärken. Auch ein Imagefilm wurde über die Initiative erstellt: Bayerischer Klimaschutzpreis 2025: Café Übrig | LENK Bayern.