Essen verbindet…

… und dass nicht nur, wenn man gemeinsam am Tisch sitzt, wie die Familien bei der regelmäßigen Kochrunde „Volxküche“ in wagnisART. In wagnisWEST haben Bewohnende eine Bio-Einkaufsgemeinschaft auf die Beine gestellt.

Wie ein Restaurantbesuch mit Freunden

Nicht selbst kochen müssen und trotzdem schlemmen, das ist die Idee hinter der sogenannten „Volxküche“ in wagnisART. „Wir sind fünf Familien, die sich jeden Montagabend für zwei Stunden im großen Gemeinschaftsraum zum Essen treffen. Eine Familie kocht jeweils für die anderen zuhause vor und bringt dann das Essen für zwölf bis fünfzehn Leute mit. Das ist einmal viel Aufwand, aber dafür ist man selbst montags nur alle vier bis fünf Wochen dran mit kochen“, erzählt Frauke Donner.

Schon seit neun Jahren gibt es die Volxküche. Letztes Jahr stieß eine neue Familie, zur sonst sehr stabilen Gruppe, dazu. Wichtig sei, dass man einen ähnlichen Geschmack hat und keine zu komplizierten Unverträglichkeiten. „Bei den Gerichten haben wir uns deutlich weiterentwickelt. Als die Kinder klein waren gab es sehr oft Nudeln mit Tomatensoße. Jetzt kommt auch Chilli sin und con Carne oder Thai Curry auf den Tisch. Besonders beliebt sind Burger und Käse-Lauch-Hackfleischsuppe“, sagt Frauke Donner. „Das Schöne ist auch, dass man weiß, dass man mit netten Leuten zusammensitzt. Das ist wie ein Restaurantbesuch im kleinen Kreis, aber deutlich günstiger.“ Die Ausgaben der Kochenden werden mit einer App verwaltet. Einmal im Jahr wird Kassensturz gemacht. So braucht man am Abend nicht mit Geld zu hantieren und kann sich ganz auf den Genuss konzentrieren.

 

Eier sind der Renner

„Eier sind der Renner, da bekommen wir 180 Stück pro Lieferung und könnten noch mehr gebrauchen“, sagt wagnisWEST-Bewohner Thomas Koke, „Insgesamt haben wir in unserer Einkaufsgemeinschaft 50 verschiedene Artikel im Angebot, zwei Drittel davon Obst und Gemüse, ein Drittel andere Lebensmittel wie Käse, Oliven, Eier und Salami. Vor einem Jahr fing das Ganze an mit zwei Kisten Bio-Äpfeln vor meiner Haustür und einem Schild auf dem stand ‘4 Stück 1 Euro‘.“

Auslöser war, dass viele wagnisWEST-Bewohnende einen Bioladen oder Markt im neuen Viertel schmerzlich vermissten. Thomas Koke arbeitete bis vor Kurzem beim regionalen Bio-Großhändler Tagwerk und fragte dort kurzerhand nach, ob die wagnisWEST-Bewohnenden nicht als Einkaufsgemeinschaft direkt bei Tagwerk einkaufen könnten. „Auschlaggebend war in dem Fall meine persönliche Verbindung zu Tagwerk und auch die Tatsache, dass Tagwerk niemandem in der Nähe beliefert, so dass wir als Einkaufsgemeinschaft keinem Partner schaden“, erklärt er.

Alle zwei Wochen wird bestellt. Im Schnitt nehmen 25 Leute teil. Wer Teil der Einkaufgemeinschaft werden möchte, zahlt eine kleine Einlage und unterschreibt die Regeln, die sich die Gruppe gegeben hat: Die Produkte, die gekauft werden, sollen biologisch angebaut, regional und möglichst unverpackt sein, d.h. zum Beispiel, dass es im Winter keine Tomaten und Gurken gibt.

Die Logistik ist inzwischen, dank eines engagierten Orga-Teams, sehr ausgefeilt. Die Bewohnenden tragen ihre Bestellmengen in ein google-Dokument ein. Thomas Koke überprüft, ob die Mengen zu den Gebindegrößen des Großhändlers passen – Apfel gibt es z.B. nur im 10kg-Gebinde – und passt gegebenenfalls an. Donnerstagmorgen wird geliefert und am Nachmittag die Bestellungen im Casino ausgegeben. „Früher waren wir im Waschcafé zur Ausgabe“, erzählt Thomas Koke, „aber das ist längst zu klein. Inzwischen haben wir so viele Produkte und solche Bestellmengen, dass wir eine Stunde nur damit beschäftigt sind aufzubauen. Die ganze Verteilung dauert bis zu zwei Stunden. Es gibt einen Laufzettel mit der jeweiligen Bestellung für jeden Bestellenden. Den gibt man an die tatkräftigen Helfer*innen hinter der Theke, die dann die Ware abwiegen und ausgeben. An der Kasse wird ausgerechnet, was für den jeweiligen Einkauf aufs Konto der Einkaufsgemeinschaft überwiesen werden muss. Das Ratschen kommt dabei auch nicht zu kurz. Der große Gewinn ist, dass wir so an wahnsinnig frische und gute Produkte kommen.“

 

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