Futter für Leseratten

Leseratten, die in wagnisWEST zu Hause sind, können sich freuen: Am morgigen Freitag wird die Lesegalerie im Atriumhaus eröffnet. Da die Möblierung noch nicht abgeschlossen ist, gibt es erst einmal ein Pre-Opening ab 18 Uhr, damit man sich trotzdem für die Feiertage mit Lesestoff versorgen kann. In einer großen Gemeinschaftsaktion hat eine Bewohnergruppe den Raum in den vergangenen Monaten in Eigenleistung ausgebaut.

Die Lesegalerie ist einer von zehn Gemeinschaftsräumen in wagnisWEST in Freiham, das im vergangenen Jahr bezogen wurde. Der Grundriss hatte die Bewohner*innen zunächst vor eine Herausforderung gestellt: Der Raum mit einer Grundfläche von 36 qm erstreckt sich über zwei Etagen und hat ein großes Fenster nach Süden. Schon in der Planungsphase zeichnete sich ab, dass sich für die Nutzung der Raumhöhe eine Galerie anbietet. Dafür galt es aber viele Anforderungen hinsichtlich Statik und Trittschall zu berücksichtigen. Unterstützung kam vom Architektenkollektiv P.O.N.R., das im April 2022 einen professionellen Entwurf erstellte. Eigentlich sollte für die Ausführung externe Hilfe dazukommen, doch diese Überlegung zerschlug sich.

So machten sich einige Bewohner selbst frisch ans Werk. Mit einem vereinfachten Entwurf gingen Gerhard Hüsken, Juraj Poliak, Günter Hermeler, Martin Rethmeier und Caspar Schwartz Ende vergangenen Jahres an den Start. In den folgenden Monaten trafen sie sich regelmäßig, montierten Lampen, erstellten die Balkenkonstruktion für die Galerie, schnitten Treppenelemente zu und bauten sie ein, verlegten den Galerieboden, bauten das Geländer auf, strichen die Wände und brachten die Regale an. Eine große Leistung, und trotzdem gab es keinen Druck: „Es war immer stressfrei“, sagt Gerhard Hüsken, Sprecher der PG Lesegalerie, „wir haben es immer auf Zuruf gemacht“. Im ein- bis zweiwöchigen Rhythmus trafen sie sich zu dritt oder zu viert, mal unter der Woche, mal am Wochenende. Abwechselnd hatte einer von ihnen den Hut auf, je nachdem, welche Kenntnisse gefragt waren. War Juraj Poliak für das Aussägen der Treppen zuständig, so erwiesen sich Günter Hermeler als Fachmann fürs Bodenverlegen und Gerhard Hüsken als Spezialist für die Elektromontagen.  

Bei der Auswahl der Farben kam die PG Lesegalerie ins Spiel, sie entschied sich für rote Balken und Stützpfeiler, Regelelemente und einen grünen Teppich. Oben auf der Empore wurden zwei Computer-Arbeitsplätze eingerichtet. Die Möblierung ist noch nicht komplett, an den Arbeitsplätzen fehlen Lämpchen und Stühle, für den unteren Bereich werden Sofas, Stühle und kleine Tischchen angeschafft, an Regalen wird Beleuchtung ergänzt. „Wir wollten unbedingt vor Weihnachten die Ausleihe ermöglichen“, sagt Marit Borcherding, die von Anfang an in der PG Lesegalerie mitgearbeitet hat. Deshalb habe man sich für ein Pre-Opening entschieden.

In der Eingangsetage warten nun Romane, fremdsprachige Literatur, Krimis, Kinder- und Jugendbücher auf die Besucher*innen, oben hat Sachliteratur wie Koch- und Gartenbücher ihren Platz gefunden. Gespendet wurden die Titel überwiegend von den Bewohner*innen, aber auch berufliche Kontakte in die Verlagsbranche sorgten für Buchspenden. Wichtig ist Marit Borcherding, dass sich die Lesegalerie nicht zum Buchfriedhof entwickelt. „Wenn wir feststellen, dass sich Bücher nie aus den Regalen rausbewegen, werden wir sie aussortieren.“ Inzwischen hat die PG Nutzungsbedingungen für den Raum erarbeitet: Darin wurde festgehalten, was in der Lesegalerie möglich ist – und was nicht.

Der Raum ist als ruhiger Ort vorgesehen, in dem man sich gemütlich niederlassen, aus dem Fenster schauen oder in ein Buch vertiefen kann (Fotos: Martin Rethmeier). Die Arbeitsplätze sind für konzentrierte Tätigkeiten und nicht für Online-Meetings oder Telefonate ausgelegt. Besonders Bewohner*innen von Ein-Zimmer-Appartements würden sich auf den zusätzlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität freuen, meint Marit Borcherding. Auch Leute, die häufig im Home-Office arbeiten, seien an den Arbeitsplätzen interessiert. Und nach der intensiven Planungs- und Vorbereitungszeit ist die PG Lesegalerie nun gespannt auf die Reaktionen der zukünftigen Nutzer*innen.

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