„Ich möchte gerade ältere Menschen ermutigen, in ein wagnis-Projekt einzuziehen“

„Hallo, wie geht’s?“ Das fragen wir in unserer neuen wagnis-Serie Mitglieder aus unserer Genossenschaft. In der ersten Folge berichtet Lili Friedrich (64), Kunstpädagogin, aus ihrem Wohnalltag in unserem neuen Augsburger Projekt wagnisSHARE

"Seit April lebe ich mit meinem Mann Achim in einer 2-Zimmer-Wohnung mit 60 qm in wagnisSHARE. Vorher haben wir in einem alten Bauernhaus mit 160 qm Wohnfläche und einem großen Garten in einem Dorf im Westen von Augsburg gewohnt. Nachdem unser Sohn ausgezogen ist, haben wir uns entschieden, uns zu verkleinern. Das war ein großer Sprung vom Eigenheim auf dem Land zurück in die Stadt, aber er hat sich gelohnt. Es ist uns überraschend leichtgefallen, uns von vielen Dingen zu trennen; eigentlich war es auch eine Befreiung. Wir haben vieles verschenkt; jetzt stehen Möbel von uns in Gemeinschaftsräumen, manches hat unser Sohn genommen oder eine Familie hier im Projekt hat ein Stück brauchen können. Unsere Wohnung mit Blick in den Sheridanpark ist sehr schön, und auch unser Hund Eddie, ein Border-Collie, und unsere Katze Käthi fühlen sich sehr wohl. Zusätzlich gibt es noch die Gemeinschaftsräume, gerade das Gästeapartment nutzen unsere Freunde, die zu Besuch kommen, gern.

Ich habe mich schon vorm Einzug in der PG Flexräume engagiert, gemeinsam haben wir den Kreativraum geplant und eingerichtet. Dort konnte ich viele Sachen aus meinem Atelier unterbringen, und seit kurzem biete ich zweimal in der Woche einen kostenlosen Kurs für Kinder an. Mittlerweile kenne ich alle Kinder hier, wir bekommen auch viel Besuch wegen unserem Hund Eddie. Bei unserem Hund achten wir sehr auf feste Regeln, damit es keine Konflikte gibt. Am Morgen sind wir auf der Hundewiese und begleiten die Kinder ein Stück weit zur Grundschule, das erleichtert manchem Kind den Weg. Unsere Katze Käthi dagegen ist sehr alt und eher scheu, auch das wird von den Kindern respektiert, sie mahnen sich gegenseitig zur Rücksichtnahme.

Was im Zusammenleben sehr hilfreich ist, ist die schnelle Kommunikation über Mattermost. Über diese digitale Plattform können wir ganz fix Infos austauschen, auf interessante Angebote aufmerksam machen oder auch mal schnell Hilfe bekommen, wenn Mehl oder Couscous ausgegangen sind. Nur manchmal würde ich mir mehr Zurückhaltung bei persönlichen Kommentaren und Meinungen wünschen. Statt auf dem digitalen Weg sollte man seine Meinung eher im persönlichen Gespräch mitteilen.

Trotzdem möchte ich gerade ältere Menschen unbedingt ermutigen, in ein wagnis-Projekt einzuziehen. Das erweitert den Horizont, man erhält so viele neue Anregungen, hat ähnliche Themen, trifft spontane Verabredungen, wie zum Schafkopf. Wir teilen nicht nur Ideen, sondern auch viele materielle Güter wie Lebensmittel, Kleider, Bücher und nutzen gemeinsam Werkzeuge, Waschmaschinen, Räume und Fahrzeuge.  Aus Nachhaltigkeitsgründen finde ich es auch wichtig, wenn wir älteren Generationen aus zu groß gewordenen Häusern oder Wohnungen ausziehen, um Familien mit Kindern mehr bezahlbaren Platz zur Verfügung zu stellen. Hier im Sheridanpark bin ich angekommen und fühle mich tatsächlich zu Hause."

Bild: Lili Friedrich mit dem zweijährigen Border-Collie Eddie und Katze Käthi

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